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Google killt das Artikel Marketing

Seit Ende letzte Woche sind die ersten Auswirkungen vom neuen Google Algorithmus, welcher eine bessere Qualität der SERPs erzielen soll und den sogenannten Content Farmen den Garaus machen soll, sichtbar geworden. Einige im englischsprachigen Raum sehr bekannte Verzeichnisse hat es dabei scheinbar ziemlich hart getroffen. Darunter ist Suite101.com, Hubpages oder auch Articlebase. Der Bekannteste sowie führende Artikelverzeichnis ezinearticles ist ebenfalls betroffen.

Bei ezinearticles wurden am Wochenende im offiziellen Blog die ersten Zahlen vom Traffic Einbruch dokumentiert, die man schon als dramatisch bezeichnen kann. Bereits am Donnerstag verzeichnete man 11,8% weniger Traffic als üblich und schon am nächsten Tag viel der Wert bereits auf 35%. In zahlreichen Foren wird derzeit von herben Ranking Verlusten der bei ezinearticles publizierten Artikel berichtet und scheinbar sind auch zahlreiche andere Artikelverzeichnisse betroffen. Ezinearticles selbst rechnet nun mit einer Halbierung vom Traffic im Vergleich zum Vormonat (57 Millionen Besucher).

Panik bei ezinearticles

Chris Knight, CEO von ezinearticles, sah sich daher am späten Samstagnachmittag veranlasst, das bestehende Regelwerk zu verschärfen, um einen weiteren Absturz zu vermeiden. Auf mich wirkt diese Reaktion beinahe schon wie Panik denn neben den verschärften Qualitätskontrollen soll nun auch die Mindestanzahl der Wörter in einem Artikel drastisch erhöht werden. Scheinbar ist man der Meinung, frei nach dem otto: Viel hilft viel, eine weitere Abstrafung entgehen zu können, was natürlich eher fraglich ist. Geplant war auch, sämtliche Links in den Artikeln auf NoFollow umzustellen, wovon man allerdings nicht nur wegen der dadurch resultierenden Protesten, schnell wieder abgerückt ist. Bereits am frühen Sonntagmorgen wurde dieses Vorhaben kurzerhand wieder verworfen.

Bei Ezinearticles ist man auch ein wenig ratlos und kann nicht verstehen, warum man vom Google Algorithmus betroffen ist. Allerdings ist man sich bewusst, dass der Informationsgehalt und die damit verbunden Qualität der meisten Artikel sicherlich nicht im Sinne vom Besucher ist. Das ezinearticles vom neuen Google Algorithmus betroffen ist, war zumindest für mich nicht überraschend.

Artikel Marketing vor dem aus?

Content Killer

Content Killer

Im englischsprachigen Raum ist Artikel Marketing bei SEOs als auch Affiliates sehr beliebt und Artikelverzeichnisse haben auch einen wesentlich anderen Stand als hierzulande. Hier ist nun auch das eigentliche Problem zu finden. Der Mehrheit hat haufenweise Artikel nach dem AIDA-Prinzip geschrieben. AIDA ist die Kurzform von Attention – Interest – Desire – Action und bedeutet das ein Artikel Aufmerksamkeit – Interesse – Kauflust – Aktion erzeugen soll. Ebene diese Art von Artikel enthalten aber relativ wenig Information, sind ebenso kurz gehalten und sollen nur dazu animieren auf die verlinkte Sales oder Affiliate Seite zu klicken (Aktion!).

Auf der Affiliate Seite sind jedoch auch keine echten Informationen untergebracht und die Inhalte sind oftmals nur als mäßig zu bezeichnen. Alles dreht sich nur ums Verkaufen, die Art und Weise wird millionenfach angewendet und als absolut billige Methode ohne echten Mehrwert zu sehen. Da dies dennoch über viele Jahre hinweg immer gut funktionierte, haben sich sehr viele SEOs und Affiliates auf diese Methode konzentriert. Interessanterweise hat ein Großteil der Affiliates, kaum Content auf den eigenen Seiten vorzuweisen. Gute gefüllte sowie gepflegte Blogs mit regelmäßig erscheinenden Artikeln sind eher selten in der Branche anzutreffen.

Der wichtigste Traffic und Backlink Lieferant im Artikel Marketing war bis dato Ezinearticles und weitere vergleichbare Artikel Verzeichnisse und Seiten. So ziemlich alle wichtigen Seiten sind abgerutscht (Hubpages, Suite101, Articlebase usw.) wie man im Sistrix Blog nachlesen kann. In diesen Verzeichnissen und Seiten wurde fleißig der Content abgeladen jedoch kaum was an den eigenen Projekten gemacht oder investiert, was sich jetzt ohne Zweifel rächen wird.

Content is King?

Die Aussage „Content ist King“, verliert langsam an Bedeutung. In Zukunft dürfte „Content is a Drama Queen“ wohl treffender sein denn spätestens seit letzter Woche ist definitiv ein Umdenken angesagt. Wer bisher lediglich auf Content in Textform gesetzt hat, wird sehr wahrscheinlich viel Potenzial liegen lassen und möglicherweise vom neuen Google Algorithmus erfasst werden. Denn dieser scheint nach bestimmten Merkmalen zu greifen. Da Artikelverzeichnisse fast nur Text aber kaum multimedialen Content in Form von Bildern, Videos, Audio oder anderen Dateien aufweisen, sind diese für Google daher schell auszumachen. Hinzu kommen noch die ausgehenden Links, welche zu den qualitativ schlechten Affiliate Seiten führen. Von Google sicherlich ein sehr harter Schritt, der auch nicht ganz umschritten ist, da es auch wahrscheinlich ein paar gue Seiten treffen wird. Im Großen und Ganzen aber der vielleicht einzig Mögliche Schritt, um schnell wieder saubere SERPs vorweisen zu können. Da man schon damit rechnen kann, dass der neue Algorithmus auch den deutschen Index ordentlich durcheinanderwirbeln wird, bin ich schon gespannt, wen es alles treffen wird. Eric vom Seo Handbuch hat am Sonntag noch einen lesenswerten Artikel über Qualitätsmerkmale von Content geschrieben, der sich ebenfalls auf die aktuelle Situation bezieht.

Ich persönlich bin froh, dass ich mehr Wert auf die Pflege meiner Projekte gelegt habe und Artikel Marketing nicht als wichtigstes Standbein gesehen habe. Neuer und guter Content bedeutet zudem viel Aufwand und oftmals auch Investitionen bzw. Ausgaben, die dann aber gänzlich in die eigene Seite fließen sollten. Im Moment bekomme ich die positiven Auswirkungen auch direkt zu spüren denn der neue Google Algorithmus hat bereits einige meiner Konkurrenten regelrecht pulverisiert bzw. sind diese kaum noch in den SERPs zu finden. Diese hatten lediglich ihre Artikel in diversen Verzeichnissen mit spammy Links gepusht und waren kaum zu knacken. Das hat sich jetzt komplett geändert. Den neuen Google Algorithmus finde ich dementsprechend gut. Zumindest solange, bis es mich mal selber erwischt ;-)

10 Antworten auf Google killt das Artikel Marketing

  • Bohn sagt:

    Stellt sich die allgemeine Frage, wie man ein kleineres Affiliate-Projekt in eine kleineren Nische nun in Zukunft aufbaut?

    Einfach nur Seite online stellen und zu jedem Longtail eine Unterseite wird in Zukunft wohl nicht mehr funktionieren, mal davon abgesehen, dass ein paar Backlink und Trafficquellen wegfallen oder an Bedeutung verlieren.

    Es heißt jetzt umdenken, ja – Nur in welche Richtung. Wie sollten kleine, aber gute Affiliate-Projekte nun aussehen, bzw. hat man überhaupt noch Chancen mit solchen Projekten oder wird man nun nicht drum herum kommen, sich auf wenige, dafür umfangreicherer Projekte zu konzentrieren, die regelmäßig neuen Content in Blogmanier aufweisen?

    Wie schätzt du das ein?

    • Andreas sagt:

      Ganz einfach: Sich mit dem Thema oder Produkt richtig auseinandersetzen. Vorteile aber auch Nachteile nennen. Schaffe echten Mehrwert, Informationen, die wirklich von Nutzen sind. Beispielsweise ehrliche Testberichte, wo wirklich alles stimmt. Das sollte aber nicht mit dem Testbericht enden, sondern weitergehen. Gib Tipps und Tricks, Anleitungen oder biete passenden Content zum Herunterladen an. Vertrauen gewinnen ist hier auch der Schlüssel zum Erfolg. Anstatt 100 unterschiedliche Projekte oder Produkte zu bewerben, lieber ein paar wenige, diese dafür umso intensiver.

      Setz dir selber einen Themen Schwerpunkt. Frag dich selber, was kann ich gut, wo habe ich viel Wissen, was für Talente besitze ich und wie kann ich diese als guten Content vermitteln? Als Fotograf fängt man auch nicht an, irgendwelche Versicherungen für Schiffe zu vermarkten, sondern konzentriert sich besser auf das digitale Fotografieren. Eben da, wo man seine eigenen Stärken gezielt ausspielen kann. Da sind Erfolge eher machbar. Auch langfristig.

      Wer nur Produkte bewirbt, ohne diese überhaupt zu besitzen oder gar zu kennen, dem glaubt man einfach nicht. Leser haben ein gutes Gespür für solche Dinge. Eigene Bilder und Videos sind hier sehr hilfreich, dies ist zumindest meine Erfahrung. Wer nur Produktfotos von Amazon bezieht und lieblos etwas Text drunter klatscht, wird damit jetzt wohl schnell baden gehen. Von den ganzen Schnäppchen Blogs wird man sich wohl auch bald in den SERPs verabschieden können. Ich glaube, Affiliate Projekte werden es in Zukunft generell schwer haben, sehr schwer sogar.

  • Bohn sagt:

    Das stimmt schon alles was du sagst! Ich meine so Projekte wo ich das Produkt nicht besitze oder mich für das Thema nicht interessiere hab ich ohne hin nicht. Das wären für mich wieder Sachen, wo ich kein Spaß dran hätte und dann der Ehrgeiz und die Nachhaltigkeit fehlen würden.

    Aber es gibt 1-2 Sache, über die man einfach nicht großartig schreiben kann. Produkte wo alleine schon das Bild alles nötige aussagt und es generell schwer ist, einen Text zusammen zu bekommen. Aber die Art von Projekt wird wohl generell aussterben.

    • Andreas sagt:

      Solche Produkte packt man auch vielleicht besser in einen bestehenden Mischblog oder befasst sich nicht damit. Wenn ich keine echten Infos vermitteln kann, weil das Produkt es einfach nicht zulässt, es sich aber dennoch finanziell lohnen dürfte, beschreibe ich halt lediglich meine Eindrücke. Das kann ich aber auch nur, wenn ich mich mitten in einem kreativen Prozess befinde, ansonsten tue ich mich damit auch sehr schwer. Je besser man sich mit etwas auskennt, umso leichter fällt es einem auch darüber zu schreiben. Ein Angler kann dir einen ganzen Aufsatz über einen langweiligen Angelhaken liefern wo Du und Ich vielleicht mal 2-3 Sätze zusammen bekommen würden ;-)

  • Bohn sagt:

    Mischblog – Guter Stichpunkt. Wollte ich eh machen für alles was nicht auf bohncore passt weil themenfremd. Mal schauen ob oder wie man das gebündelt aufziehen könnte. :D

  • Thom sagt:

    Ich glaube dann sind wir auf dem richtigen weg, zumindest auf dem Blog meiner Frau. Unique Texte Bilder und Videos.

    Ich fänds gut wenn die Änderung käme.

  • Hm, nach Deinem Artikel stelle ich mir die Frage: warum ist dann Demand Media offensichtlich verschont geblieben?

    Meiner Meinung nach wird sich langfristig nur bei Google, Yahoo, Bing und Facebook oben absetzen, wer entweder gut informiert oder/und spannend oder witzig unterhält, oder/und etwas zu verkaufen hat mit echter Differenzierung (Preis, Service, Design, Qualität etc.) und dies auch noch ansprechend und barrierefrei für die Zielgruppe(n) gestaltet.

    if content is king – context is queen

    • Andreas sagt:

      Ich weiss es nicht. Mich wundert es auch, das eHow bisher verschont wurde aber Google hat ja gerader erst angefangen. Ich vermute, da wird sich in nächster Zeit wohl noch einiges tun.

  • … ich denke auch wenn Google da erst mal mit anfängt, werden noch viele von den Klickportalen, die nur von CPC legen verschwinden. Das hoffe ich zumindest.

  • Andre sagt:

    Kann man denn nicht mit Affiliate Seiten, wo Google gerade auf Social Media abfährt, auf SM umsteigen? Muss man halt da weiterbetteln, wo Google nicht ist! Scheiß Job, ich weiss! (SM = doppeldeutig!)

    Außerdem kann man eine Affiliate Seite immernoch mit halbwegs sinnvollen Artikeln füttern und die Besucher dann auf eine Shopseite leiten, die dann halt von der Google Indexierung ausgeschlossen sein sollte. (auch Ein sch… Job und irgendwie uneffektiv!)
    Das ist auf jedenfall nicht das Ende von Affiliate Seiten. Da wird uns schon was einfallen!
    Prost!