Webseiten Labor

Der Blog für Webmaster und Webworker

Panda Erfahrungen – Content, schlechte Links und die Echo Seiten

Ende vergangene Woche ist es nun endlich auch in Europa passiert: Das Panda Update wurde ausgeführt. Wie schon bei den englischsprachigen Kollegen hat es einige Große regelrecht die Beine unter dem SERP-Boden weggehauen. Ziemlich schnell gab es auch erste interessante Analysen. Manche gut, manche eher nicht so gut. Einige scheinen auch einen Art Glaskugel zu besitzen und schon in die Zukunft schauen zu können.

Obwohl bereits drei Updates den englischsprachigen Raum umgepflügt haben, kann niemand genau sagen, was den Panda auf einer Seite wirklich auslösen kann. Ich bin sicherlich kein Experte aber ich habe alle drei Updates bereits mitgemacht und auch ordentlich Federn dabei gelassen. Ich hatte und habe aber auch Gewinner. Bei einem DE-Projekt, ist es sogar eine 1:1-Kopie von einem US-Projekt, was ziemliche Verluste hinnehmen musste, hingegen die DE-Kopie jetzt aber ganz klar zu den Gewinnern zählt. Warum dies so ist, versuche ich hier mal aufzuschlüsseln. Eventuell kann der ein oder andere damit etwas anfangen. Als Lösungsweg eignet sich dieser Artikel aber bestimmt nicht.

Tod auf Raten

Bezeichnende Beschriftung meiner Projekt Mappe

Bezeichnende Beschriftung meiner Projekt Mappe

Das US-Projekt, um das es sich handelt, ist so ein typisches Affiliate Projekt, wie man es zigfach im Internet sieht. Der Content hat nicht wirklich einen echten Mehrwert, das verwendete Theme war von der Stange und drum herum sind viele Banner gewesen. Was aber viel schlimmer war, war dessen Linkprofil. Im US-Markt wurde sehr viel mit Article Marketing gearbeitet. Man hat haufenweise Artikel geschrieben oder gespinnt und diese dann in den unzähligen Artikel Verzeichnissen eingereicht. Bei manchen sprang dabei nicht nur ein Backlink heraus, sondern auch Traffic. Wer wusste, wie man da etwas nachhelfen konnte, hat relativ schnell Geld verdient. Bei dem ersten Panda Update waren aber auch genau diese Artikel Verzeichnisse betroffen, was natürlich auch entsprechende Konsequenzen für die eigenen Affiliate Projekte hatte. Diese waren zwar nicht Tod aber der Traffic und die Umsätze brachen spürbar ein.

Einige Betreiber reagierten auch ziemlich aggressiv auf diese Veränderung und befolgten sogar den Tipp von Matt Cutts, den „Low Quality Content“ zu löschen. Damit wurde die ganze Situation nochmals verschärft denn nun brachen auch noch die Backlinks weg. Da viele das Artikel Marketing sehr intensiv betrieben haben, kann sich wohl jeder vorstellen, was danach passierte. Kurz darauf kam das zweite Panda Update und nun waren noch mehr Affiliate Projekte betroffen. Darunter auch viele dieser Amazon Blogs, die nicht mehr zu bieten haben als umgeschriebene Produktbeschreibungen. Die werden auch hier sicherlich Opfer werden, vor allem da bei vielen eigentlich gar nichts eigenes vorhanden ist. Wer dann sich noch nicht einmal um eigene Bilder bemüht und lediglich den ganzen Plunder von Amazon übernommen hat, wird höchstwahrscheinlich bald eine ziemlich böse Überraschung erleben. Ich betreibe zwar keinen Amazon Blog dieser Art aber ich kenne etliche, die sich von solchen Projekten mittlerweile getrennt haben. Da waren die Einbußen einfach zu hoch als das es sich noch gelohnt hätte.

Zweites Panda Update: Google lernt

Für Google war es sicherlich sehr lehrreich zu sehen, was nach dem ersten Update nun bei den betreffenden Seiten so passierte. Da wurde ziemlich viel ausprobiert: Content gelöscht, neues Layout gezaubert, Banner und Adsense Anzeigen überarbeitet oder frische Links in Massen heran geschafft. Letzteres teilweise sogar automatisiert. Gebracht hat es aber rein gar nichts denn es gab kaum eine Seite, die sich wirklich erholt hat. Übrigens ist mir bis heute keine einzige Seite bekannt, die ihre alten Rankings und Traffic Werte wieder erreicht hat.

Das zweite Update raffte dann richtig viele Affiliate Seiten komplett dahin, das tat stellenweise richtig weh. Ich habe das auch ordentlich zu spüren bekommen und egal was ich vorher versucht hatte, es hatte nicht geholfen. Dieses mal waren auch zwei „saubere“ Projekte dabei. Diese hatten recht gute Inhalte vorzuweisen und waren zudem vonseiten des Social Web gut frequentiert. Bouncerate bei 57 %, Verweildauer im Schnitt von 1:30 Minuten, kaum Banner, kein Adsense. Kollateralschaden.

Ich bin dann hingegangen und habe ein paar Tage lang in Ruhe versucht, diese Projekte zu analysieren und bin auf ein paar Dinge gestoßen, welche mir auch befreundete Affiliates bestätigen konnten. Mein vermeintlich sauberes Projekt hatte ziemlich viele Backlinks von Seiten, die beim ersten Panda Update als Verlierer galten. Das war schon ein interessantes Indiz aber diese Links stammten nicht nur aus Artikel Verzeichnissen, sondern von Seiten, die auch recht gut im Google News Bereich vertreten waren. Mir fällt eigentlich auch nur noch ein Begriff für diese Seiten ein: Echo-Seiten.

Echo-Seiten

Diese Echo-Seiten produzieren aber keinen doppelten Content, die haben schon ganz eigenen unique Content. Allerdings so ganz unique ist dieser dann doch nicht denn so ziemlich alles wurde von den anderen, führenden News Seiten abgeschrieben und wurde dementsprechend verzögert als News ausgegeben. Echo-Seiten also deshalb, weil die echte Ursprungsquelle eine andere war und alles Nachfolgende im Prinzip nur das gleiche und zeitverzögert veröffentlicht wurde. Da entstand dann viel Müll. Vielleicht trifft dieser Umstand in gewissen Teilen auch auf die von „User generated Content“ Seiten zu, wovon auch etliche dem Panda zum Fraß vielen. Da ich kein solches Projekt betreibe, kann ich dazu aber nichts Genaues schreiben.

Ich persönlich denke auch, dass Google demnächst die News bzw. den Universal Search Bereich richtig aufräumen wird. Die Spark Option von Google+ ist zwar eine tolle Idee aber was man da teilweise Angeboten bekommt, ist schon als Müll zu bezeichnen. Vieles stammt davon aus dem Universal Search Bereich.

Drittes Panda Update: Google behebt die Kollateralschäden

Ich bin davon überzeugt, dass das dritte Update tatsächlich die Kollateralschäden behoben hat und endlich auch Auswirkungen auf die gemachten Maßnahmen an den Projekten zuließ. Lustigerweise gab es dann gleich einige Spezialisten, die dies zum Anlass nahmen, ihre angeblich wirkungsvollen Tipps zu posten und als „Beweis“ einen Screenshot vom ansteigenden Traffic präsentieren. Was soll ich sagen, solche Screenshots kann ich ebenfalls liefern nur habe ich bei den betroffenen Projekten rein gar nichts gemacht. Diese Leute haben wohl ziemlich viel verloren und besinnen sich nun wieder auf alte Projekte. Da werden urplötzlich SEOs und bekannte Affiliates wieder im eigenen Blog aktiv, von denen man ewig nichts mehr gelesen hat. Die reaktivieren ihre mehr oder weniger übrig gebliebenen Einnahmequellen. Wenn ihr also irgendwelche eBooks, Workshops, Experten oder Ratgeber ala „So kommt man wieder aus dem Panda Update heraus“ angedreht bekommt, lasst besser die Finger davon. Es gibt bisher immer noch nichts, wofür es sich wirklich lohnen würde, Geld auszugeben. Leider.

Und nun?

Zu Anfang dieses Artikels hatte ich geschrieben, dass ich eine 1:1-Kopie von einem Projekt habe, das es im US-Markt voll erwischt hat, aber beim deutschen Panda Update als Gewinner hervor ging. Dabei habe ich im Groben folgende Dinge beim DE-Projekt verändert:

– Besucherfreundliches Layout – klare eindeutige Struktur der Startseite sowie der Navigation.

– Schrittweise und langsam nach und nach Links aus möglichen Panda Opfern entfernt

– Gute Backlinks von vertrauenswürdigen Seiten mit wertvollem Content besorgt

– Eigene Videos in den vorhandenen Content eingebettet, YouTube Account aufgebaut

– Banner, die extern gehostet wurden und zudem einen Zählpixel enthielten, komplett entfernt

– Affiliate Links gelöscht, die kaum Umsätze brachten dafür auf lesenswerte Seiten verlinkt

Panda Update

Panda Update

Wer sich nun über die Banneraktion wundert, dem rate ich dazu, sich seine Seite mal mit eingeschaltetem Ad Blocker anzuschauen. Wenn man ohne Ad Blocker den Content bald suchen muss, wäre es vielleicht nicht verkehrt, da als Erstes anzusetzen. Schaut euch dazu auch mal die Zahlen in den Webmaster Tools von Google an. Die Bannerlöschung hat natürlich auch positive Auswirkungen auf den Page Speed gehabt aber ich denke nicht, dass das ein Panda Kriterium ist. Ich finde es generell auch schwer auszumachen, welche Faktoren Letzendes wirklich ausschlaggebend sind. Selbst nach drei erfolgten Updates und mit diesem großen Fragezeichen stehe ich nicht alleine da.

Der Content alleine ist es definitiv nicht. Ansonsten wäre das DE-Projekt auch betroffen gewesen denn da habe ich die Inhalte nur übersetzt. Dieses Projekt steht nun aber sehr gut da, was für mich auch ein wenig überraschend ist. Ich habe ehrlich gesagt, nicht wirklich damit gerechnet. Eher mit einem Stillstand, womit ich schon zufrieden gewesen wäre.

Zu guter Letzt möchte ich noch ein paar Dinge hinweisen, über die man als Betroffener auch eventuell nachdenken sollte.

Was bleibt

Der Versuch ein Projekt zu retten, kann unter Umständen ziemlich aufwendig sein. Ich habe etliche Überstunden gemacht, nur um feststellen zu müssen, das kaum oder nichts davon geholfen hat. Vielmals gibt es Tipps und Ratschläge aber das meiste davon funktioniert schlichtweg einfach nicht oder hält nur kurz an. Zumindest nicht bei den eigenen Seiten, was wohl auch dem kompletten Aufbau samt Linkstruktur geschuldet ist. Jede Seite und Content ist halt anders und das macht es auch so schwer, genaue Angaben über mögliche Faktoren vom Panda zu machen. Diese Erkenntnis kam bei mir nach dem zweiten Panda Update und ich hatte mich dann dazu entschlossen, mich von einigen Projekten zu trennen. Ich glaube, das war so das Sinnvollste was ich überhaupt machen konnte denn selbst nach dem 3. Update haben die neuen Besitzer keine Freude mit meinen alten Projekten. Verkaufen ist demzufolge auch eine Option. Bei manchen vielleicht sogar die Beste.

Mein Projekt Portfolio ist zum heutigen Tage sogar auf gut 25 % geschrumpft und ich habe nun auch wesentlich mehr Zeit, mich um alles gewissenhafter zu kümmern. Davon profitiere ich nun auch, glücklicherweise. Von dem typischen Kleinzeug und Affiliate Seiten, die eigentlich nicht mehr als eine Mischung aus Sales- und Landing Page waren, habe ich mich bis auf zwei (noch lohnende) Ausnahmen getrennt.

Affiliate Marketing ist mit der Einführung vom Panda, ein ganzes Stück schwerer und aufwendiger geworden. Ich habe zu Anfang ziemlich über Panda geflucht aber im Endeffekt diese Situation auch als Chance wahrgenommen. Aber vor allem habe ich eine ganze Menge daraus gelernt, habe dafür aber auch einen nicht geringen Preis bezahlt.

Wer schludert, wird von Google gnadenlos aussortiert.

2 Kommentare zu Panda Erfahrungen – Content, schlechte Links und die Echo Seiten

  • Michael sagt:

    Mal ganz im Ernst. So wie ich das sehe, wirkt sich Panda nur auf die wirklich großen Seiten aus. Ich habe viele kleine Seiten ( < 100000 Visits pro Monat ) beobachtet und keine wesentlichen Veränderungen festgestellt. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass es bei der einen oder anderen Seite richtig kracht und dann … Panda kommt nach Deutschland und und es passiert fast nichts …
    Ich bin enttäuscht vom Panda Update und hatte mir wesentlich mehr davon versprochen.

    • Andreas sagt:

      Michael, warte bis das 2. Panda Update durch ist. Dann bekommen auch die „kleineren“ wahrscheinlich ihr Fett weg.